05 mai 2008

Teckbote : 40ème anniversaire du jumelage

Article du TECKBOTE (Quotidien de Kirchheim) sur les fêtes du 40ème anniversaire 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                           
                                                  

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40 Jahre gelebte Partnerschaft

04.05.2008

Bürger aus Rambouillet und Kirchheim vertieften längst bestehende Freundschaften

Von einem „Europa zum Anfassen“, das in der guten Stube der Stadt Einzug gehalten hat, sprach Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker zu Beginn der offiziellen Feierstunde zum 40-jährigen Bestehen der Kirchheim und Rambouillet verbindenden deutsch-französischen Partnerschaft. Dass Frankreich tatsächlich sehr präsent war, konnte am Wochenende niemand verborgen bleiben.

      

WOLF-DIETER TRUPPAT

      

Kirchheim. Schon ab 7 Uhr zeigten die Marktleute mit Fähnchen und flotten, mit blau-weiß-roten Bändern geschmückten Hütchen, dass sie von Kopf bis Fuß auf Frankreich eingestellt sind. Statt Eiern gab es dann eben einen Tag lang „des oefs“ im erweiterten oder auch nur einfallsreich frankophil eingefärbten Angebot des Wochenmarkts und den zusätzlich eingerichteten Verköstigungsständen. Nicht nur das Wetter, auch die Stimmung in der Stadt war prächtig.

      

Schließlich wurde an diesem Tag kein rein formaler Akt gewürdigt. Mit Stolz und Freude wurde vielmehr zur Kenntnis genommen, dass aus einst vorsichtigen Versuchen einer Annäherung verfeindeter Länder längst schon über Jahre währende Freundschaften entstanden sind, die immer wieder aufs Neue vertieft und weiterentwickelt werden.

      

Die Frage, warum es so wenig Freundschaften in der Welt gibt, beantwortete Angelika Matt-Heidecker mit einem Zitat von Antoine de Saint-Exupéry, der zu dem Schluss gekommen war: „Weil man sie nicht kaufen kann – man muss sie sich erwerben.“ Sehr viele der Menschen, die sich am Martinskirchplatz zur Feierstunde versammelt hatten, hätten das wohl genauso unterschrieben wie die beiden Stadtoberhäupter und die beiden Präsidenten der jeweiligen Partnerschaftsausschüsse die vorbereitete Seite im Goldenen Buch der Stadt.

      

Zunächst hatte die Stadtkapelle unter der Leitung von Harry D. Bath mit der französischen und deutschen Nationalhymne die Konzentration auf ein Thema eingeleitet, das vor 40 Jahren so niemand für möglich gehalten hätte. Angelika Matt-Heidecker hatte die Ehre, feststellen zu dürfen, „dass die Mission der Menschen der ersten Stunde erfüllt ist“. Jocelyne Thome-Patenotre und Franz Krönig hatten tatsächlich die Weichen dafür gestellt, dass aus vorangegangenen Feindseligkeiten sich Freundschaften bilden konnten, Comités de Jumelage entstanden und Bürger sich aufeinander zubewegten und bis heute zubewegen: in Vereinen, Institutionen, aber auch – und vor allem - auf ganz persönlicher privater Ebene.

      

Ganz besonders betonte Angelika Matt-Heidecker die Tatsache, dass mit inzwischen 63 Jahren die längste Friedensperiode in West- und Mitteleuropa gefeiert werden kann. Nicht zuletzt Charles de Gaulle und Konrad Adenauer ist das zu verdanken, die den entscheidenden und nachhaltigen Kurswandel eingeleitet hatten. Der Elysée-Vertrag hatte einen „Rosenkrieg“ zwar verhindert, dafür aber leidenschaftliche Diskussionen unter Rosenkennern ausgelöst.

      

Ein desillusioniert nach Bonn gereister Charles de Gaulle habe seinen Verhandlungspartner darauf hingewiesen: „Verträge sind wie Rosen und junge Mädchen, sie verblühen“, führte Angelika Matt-Heidecker aus. Adenauers Replik, dass die Rose die ausdauerndste unter den Pflanzen sei, wollte sein Gesprächspartner nicht gelten lassen: Der unterzeichnete Vertrag sei keine Rose, nicht einmal ein Rosenstock, sondern ein Rosengarten, der sehr lange überdauert. Wie wahr das ist, belegt die zwischen Rambouillet und Kirchheim schon im 40. Jahr bestehende Partnerschaft, die Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker attestierte, dass sie „in voller Blüte“ steht.

      

Für ihren Amtskollegen Gérard Larcher ist der Geburtstag einer Städtepartnerschaft „nicht nur ein Fest, sondern auch eine Erinnerungs- und Zukunftszeit: es ist die Zeit der Durchgabe des Erbes“. Zu Beginn seiner mit charmantem französischen Akzent zunächst auf Deutsch gehaltenen und anschließend von ihm selbst für seine Landsleute auch noch ins Französische übersetzten Ausführungen zitierte er Goethes Rat: „Was du von deinen Ahnen bekommen hast, sammle es, um es zu besitzen.“

      

Dieser Geburtstag ist für ihn auch ein Symbol des von den Kriegsgefangenen gewünschten Friedens und ihrer Hoffnung auf einen europäischen Aufbau. Die Partnerschaft der beiden Städte steht für ihn für einen gemeinsamen Willen, die Umwelt zu schützen und gemeinsam auf ökologischem und menschlichem Gebiet nachhaltig zu entwickeln.

      

Erste Schritte dazu sind längst eingeleitet. Ein Tag des Aufenthalts stand ganz im Zeichen eines Kongresses zum Thema erneuerbare Energien. Auch Kooperationen von Unternehmen beider Städte gibt es. Besonders attraktiv dürfte für Jugendliche die Möglichkeit sein, sich um ein Praktikum in der jeweiligen Partnerstadt zu bewerben.

      

Dass Kirchheim und Rambouillet es verstanden hätten, in „einer gefühlvollen Freundschaft“ dafür sorgen zu können, dass „die alten historischen Ereignisse verblassen konnten“, bestätigte Bürgermeister Török aus Kirchheims ungarischer Partnerstadt Kalocsa. Auch dieser Verbindung steht ein „runder Geburtstag“ bevor, besteht diese deutsch-ungarische Partnerschaft im Jahr 2010 doch auch schon 20 Jahre.

      

Nachdem Gérard Larcher aus der Hand von Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker ein Bild der Teck entgegenehmen durfte, revanchierte er sich mit einem von ihm gleich selbst ungeduldig enthüllten Bild des Schlosses von Rambouillet. Bürgermeister Török hatte weiße handbestickte Tischdecken im Gepäck, die symbolträchtig darauf hinweisen sollten, „dass man am weißen Tisch die Probleme mit gegenseitigen Kompromissen und mit Freundschaft lösen kann.

      

Um sicherzustellen, dass es keine Verständigungsprobleme geben kann, übersetzte Karl-Heinz Riefort gewohnt souverän ins Französische. Höhepunkt der Veranstaltung war dann der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. Nach Bürgermeister Larcher und Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker unterzeichneten Michel Grall und Karl-Heinz Riefort als Vorsitzende der jeweiligen Partnerschaftsausschüsse das wichtige Dokument über einen unvergessenen Tag.

      

Mit der auch als „Marseillaise der Menschheit“ bezeichneten Europahymne sorgten die Mitglieder des Chorale Saint Lubin, des Katholischen Kirchenchors und des Chors der Martinskirche für den harmonischen Schlusspunkt einer würdigen Feierstunde.

      

Für die Delegationsmitglieder war an ein Ende des Programms noch lange nicht zu denken, denn im Rathaus stand auch eine Ausstellungseröffnung auf dem Programm und es galt auch, dem Kirchheimer Schloss Referenz zu erweisen. Der Rambouilletplatz mit dem neuen Pavillon war dann für das Pflanzen eines Baumes ausgewählt. Ein Zierkirschenbaum soll mit seinen betörenden Blüten jedes Frühjahr aufs Neue daran erinnern, dass auch die Partnerschaft weiter blüht und gedeiht.

      

Nach Folklore mit „Bal Folk“ unter den Rathausarkaden gab es auch hier ein Musikprogramm, das deutlich machte, dass deutsch-französische Verständigung nicht nur etwas für „die ältere Generation“ sein darf. Gerade die Jugend ist jetzt gefragt, den erfolgreich eingeschlagenen Weg fortzuführen. Nach „Bal Folk“ sorgte auch die Jugendband „Südapotheke“ dafür, die Bedeutung dieses Tages auch der jüngeren Generation bewusst zu machen.

      

Neben dem französisch geprägten Wochenmarkt wies in der Innenstadt auch ein Künstlermarkt und natürlich die Präsentation historischer Feuerwehrtechnik „Zufallsbesucher“ darauf hin, dass dieses Wochenende offensichtlich etwas ganz Besonderes war.

      

Nach einem gemeinsamen Abend mit Gästen und Gastgebern in der Stadthalle endete gestern mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Martinskirche ein abwechslungsreiches Wochenende, das einmal mehr gezeigt hatte, dass in Rambouillet und Kirchheim über Partnerschaft nicht nur geredet, sondern dass sie längst nations- und generationsübergreifend gelebt wird.

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Posté par rbtkirch à 08:23 - - Commentaires [0] - Permalien [#]


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